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Die postmoderne Kultur ist zutiefst einsam. Diese Einsamkeit ensteht zu einem großen Teil aus dem großen Bedürfnis, Leiden und Schmerz zu vermeiden. Im Land des Leidens existiert keine Gewißheit. Wir können das Leiden nicht begreifen, weil seine Dunkelheit das Licht unseres Denkens so sehr schwächt. Dennoch vertrauen wir darauf, daß der Schmerz in einer tiefen Zärtlichkeit wurzelt, daß unser Leiden uns läutert, daß sein Feuer alle falschen Ablagerungen im Tempel unserer Seele verbrennt. Wirkliches Leiden ruft uns nach Hause, dorthin, wo unser Herz froh, unsere Kraft klar und unser Geist offen und lebendig sein wird. Außerdem ruft die Erfahrung des Leidens unser Herz zum Gebet, das als Kunstwerk vorstellen kann. Die Kunst ist ein Gebet und wird zu unserer einzigen Zuflucht.

In jeder christlichen Tradition hat Leiden eine positive Funktion; es führt zur Einsicht in die Endlichkeit des Menschen und zur Herausbildung einer Gott ergebenen Persönlichkeit. Die Kunst als Erlösung des Leidenden, als Weg zu Zuständen, wo das Leiden gewollt, verklärt, vergöttlicht wird, wo das Leiden eine Form der großen Entzückung ist. Die Kunst hat tiefe existenzielle Bedeutung. Es ist eine Art von Befreiung. Freud wird der Satz zugeschriben, dass alle Kunst ihre Ursprug in übersteigerter Furcht vor dem Tod hätte.

Wirkung aller Kunst: sie rettet uns aus unserer selbst-gewählten Trivialität. Das Wesen der Kunst aber ist es, ihr geistig-seelisches Prinzip im sinnlich Faßbaren zuverwirklichen und nur in ihm. Das ist das ewige hic rhodus-hic salta allen künstlerischen Schaffens. Linie, Farbe, Form, Gefüge der Komposition, alles das als ein organisch Ganzes, und zwar im Einzelnen wie im Gesamt ist Zeignis, allein Zeugnis der schöpferischen Kraft des Auges als eines geistigen Sinnesorganes. Darum ist über das Wesen der Kunst zuletzt nur durch deren Erzeugnisse selbst zu sprechen, und diese ihre Originalsprache bleibt unübersetzbar, sie ist „Vermittlerin des Unaussprechlichen“.

Wir setzen uns den Bildern und ihren Wirkungen aus, denn es ist unbestreitbar, das Bilder unvorhersehbare Wirkungen haben. Alle Bilder, denen wir begegnen, verwandeln uns in irgendeiner Weise. Sie bewegen uns, indem wir sie betrachten, sie verändern unser Bewustsein, unser Lebensgefühl, unseren Bezug zur Unwelt und zu uns selbst. Ein Bild kann uns öffnen, es kann uns heilen. Ich hoffe,das es keine Utopie ist.

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